Der Irrtum des Glücks
Nach dem Tod seines Freundes Alexander erbt ein Journalist dessen Bibliothek. Darunter sind persönliche Texte, die ihm eine völlig unbekannte Seite seines Schulfreundes zeigen. Für ihn war Alexander eingefleischter Single gewesen, ein Mann, der
sein Leben auch ohne Frau an seiner Seite zu genießen schien. Doch die Texte aus seinem Nachlass zeugen von großer Sehnsucht nach einer Frau. Sie ist deutlich jünger als er, verheiratet und hat eine Tochter. Dennoch schwören sich die beiden ewige Liebe. In tagebuchartigen Aufzeichnungen ringt der Ich-Erzähler mit dieser Liebe, die ihn, den alten Mann, im Angesicht des Todes getroffen hat. In einem Dialog mit sich selbst versucht er, das Wesen der Liebe zu ergründen. Alexanders namenloser Freund und Nachlassverwalter ist davon so berührt, dass er die Geschichte veröffentlicht. - Der (süd-) Tiroler Schriftsteller Josef Zoderer, der Prosa und Lyrik schreibt, hat mit über achtzig Jahren einen Roman über die beglückende und schmerzhafte Illusion der Liebe geschrieben, der fast schon ein langes Gedicht ist. Ein anspruchsvoller Text, den der literarisch ambitionierte Leser am besten in Häppchen konsumiert.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Irrtum des Glücks
Joseph Zoderer
Haymon (2019)
179 S.
fest geb.