Das Jahr der Verluste
Gerade in der vorzeitigen Rente angekommen, erfährt Lina von ihrem Mann, dass er die Scheidung möchte. In den Jahren nach dem Auszug der Kinder fanden die beiden nicht mehr wirklich zusammen, entfremdeten sich. Jetzt sieht er durch eine Beziehung
mit einer gleichaltrigen Partnerin die Chance, sein Leben neu zu gestalten. Er übernimmt die Schulden fürs gemeinsame Eigenheim, Lina findet sich in einer Mietwohnung wieder. Ihre Freundin Marlene bleibt als Beistand, und ein neuer Minijob bekommt ihr auch gut. Aber im Leben kommt sie noch nicht an, bis ihr Einsatz für die von ihrem Partner misshandelte Nachbarin und ein Engagement für die alten Bäume in ihrer Wohnstraße ihre Kräfte wieder in Schwung bringen. Auch erste Ansätze für eine neue Beziehung und die Rückkehr ihres Sohnes aus Kanada stabilisieren sie, gleichzeitig fordert der alternde Körper seinen Tribut. – Prugger berichtet schnörkellos und jenseits aller Idealisierung die persönliche und wirtschaftliche Situation einer 60-Jährigen nach der Scheidung. Die Zweiteilung der Romankapitel in das angespannte Warten auf den Sohn und die Entwicklung des Alltags löst sich erst gegen Ende auf, was der Lesemelodie nicht unbedingt gut bekommt. Für größere Bestände.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Jahr der Verluste
Irene Prugger
Haymon Verlag (2026)
207 Seiten
fest geb.