Abschied unter kalter Sonne
Das junge Paar Angelika und Gabriel, sie eine geschätzte Chirurgin, er Direktor eines medizinischen Instituts, führen im tschechoslowakischen Bratislava der Siebziger eigentlich ein gutes Leben mit ihren drei Kindern und Freunden. Nur spüren auch
sie die politischen Repressionen nach dem Prager Frühling und sind vorsichtig, was sie wem sagen und wer sie dabei hören könnte. Sie haben lange geplant, mit ihren Kindern nach Westdeutschland zu fliehen. Der Roman setzt in der letzten Woche vor der Flucht ein und beschreibt, wie sehr sie glauben, niemandem trauen zu können – nicht einmal Gabriels Schwester Klara, die ihrem Bruder zu unzuverlässig erscheint. Dabei plant Klara selbst eine Flucht in den Westen mit einem befreundeten Ehepaar und einem guten Freund. – Die Kapitel beleuchten aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven in einer wiederkehrenden Reihenfolge die Erlebnisse und Gedanken von Gabriel, Angelika und Klara. Dabei wird die Isolation der Protagonisten deutlich, die mit ihrer Sehnsucht nach Freiheit alleingelassen sind, weil sie sich immer fragen müssen, wem sie trauen können. Kann die Nachbarin oder sogar die eigene Schwester gefährlich werden? Der Roman beleuchtet die Situation hinter dem Eisernen Vorhang des Kalten Krieges und gibt die Stimmungslage authentisch wieder. Für zeitgeschichtlich interessierte Leser/-innen.
Helmut Lenz
rezensiert für den Borromäusverein.
Abschied unter kalter Sonne
Heny Ruttkay
Picus Verlag (2023)
190 Seiten
fest geb.