Weißer Schlaf
Beim Halt eines Schnellzuges am Bahnhof Norrköping an der schwedischen Ostküste wird auf der Zugtoilette ein junges Mädchen tot aufgefunden. Sie ist an einer Überdosis Narkotika gestorben, die sie in ihrem Körper aus Asien geschmuggelt hat. Ihre
Begleiterin flieht aus dem Zug und verschwindet in der verschneiten Landschaft. Die unnahbare Staatsanwältin Jana Berzelius wird mit dem menschenverachtenden Fall betraut. Sie vermutet, dass ihr Blutsbruder Danilo dahinter steckt. Mit Danilo verbindet Jana eine grausame Vergangenheit, die in Schepps Debütroman "Nebelkind" teils aufgerollt wurde. Danilo agiert aber nicht alleine, sondern wird von korrupten hohen Beamten des schwedischen Rechtswesens unterstützt. - Durch den häufigen Perspektivwechsel wird das Tempo des dramatischen Thrillers hochgehalten. Das weiterhin unklare Schicksal der rätselhaften und zur Gewalt neigenden Staatsanwältin Berzelius spornt zum Weiterlesen an, aber sympathischer und vielschichtiger dargestellt als diese sind die ermittelnden Kriminalbeamten Henrik und Mia. Nebenbei bekommt man interessante Einblicke in deren private Sorgen und in die angespannte Arbeitssituation im Vorfeld einer unliebsamen Umorganisation des schwedischen Polizeiwesens. Es empfiehlt sich, "Nebelkind" zuerst zu lesen, um die Doppelseitigkeit der Hauptperson besser zu verstehen. Ein dritter Teil der Reihe ist in Schweden bereits erschienen, was diejenigen freuen wird, die bereits in den Bann der mystischen Jana Berzelius und ihre Kollegen in Norrköping gezogen wurden. Allen Büchereien empfohlen. (Übers.: Annika Krummacher)
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Weißer Schlaf
Emelie Schepp
Blanvalet (2016)
Blanvalet Taschenbuch ; 0312
447 S.
kt.