Pizza Orlando
Clara und Nina kennen sich seit ihrer Jugend. Als sie sich als Erwachsene wieder treffen, verlieben sie sich und stürzen sich in eine stürmische Beziehung. Allerdings steht ihre Liebe unter keinem guten Stern, denn Nina leidet an der genetisch bedingten
Huntington-Krankheit, an der ihre Mutter und auch ihre Großmutter gestorben sind. Clara versucht als alleinerziehende Mutter dreier Kinder ihr Studium abzuschließen und sich mit Lohnarbeit über Wasser zu halten. Über Chatnachrichten halten sie ihre Beziehung zwischen Berlin und Hamburg aufrecht, aber die Krankheit der einen und die finanziellen Sorgen der anderen funken dauernd dazwischen. Können oder wollen die beiden eine gemeinsame Zukunft haben? – Große Teile des Romans bestehen aus den Chatnachrichten, die die beiden Protagonistinnen einander schreiben, hinzu kommen Verweise in Fußnoten auf Bilder, Lieder, Filme, Bücher usw. Das ist eher ungewöhnlich, sodass es von Clara kommentiert wird, aus deren Sicht die Fließtext-Passagen geschrieben sind, in denen sie sich an Nina wendet: „Dir graut es vor Fließtext …, weil du überall das Ungenügen der Worte und vollständigen Sätze spürtest. Listen zu führen, lag dir mehr“ (S. 47). Diese Struktur verändert die Lektüre und kann sie auch hemmen – andererseits besteht inzwischen ein großer Teil der Kommunikation aus solchen Textschnipseln. Ein empfehlenswerter Roman mit queeren Protagonistinnen für Leser:innen zeitgenössischer Literatur.
Jutta Weber
rezensiert für den Borromäusverein.
Pizza Orlando
Clara Umbach
Ecco (2026)
173 Seiten
fest geb.