Seemannslied

Kuinak ist eine Siedlung an der Küste Alaskas mit einer bunt gemischten Einwohnerschaft. Drogen gehören ebenso zum Alltag wie der Klimawandel und die Zerstörung der Umwelt. Isaak Sallas ist nach einer Karriere als radikaler Umweltschützer in Kuinak Seemannslied abgetaucht. Er lebt in einem Wohnwagen und arbeitet hin und wieder als Fischer für den alten Carmody und dessen Frau Alice. Als der berühmte Regisseur Steubins für ein Filmprojekt nach Kuinak kommt, lockt das schnelle Geld. Doch mit der Filmcrew kommt auch Nick Lervertov in den kleinen Fischerort, Alices Sohn. Mit seinem Auftauchen kommt es zu einigen unschönen Morden. Hat Nick nicht noch eine Rechnung aus dem Knast offen? – Der im Original bereits 1992 erschienene Roman des Kultautors („Einer flog über das Kuckucksnest“) liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Keseys Figuren sind keine Vorzeigehelden. Eigensinnig schlagen sie sich durch ihr unkonventionelles Leben. Der Autor legt keinen Wert auf politische Korrektheit, weder beim rauen Tonfall seiner Charaktere noch bei deren disruptivem Verhalten und ausuferndem Drogenkonsum. Das Buch wirkt an manchen Stellen wie ein LSD-Trip, überdreht und anarchisch. Nach heutigen Maßstäben fehlt ein Ausgleich zum drogenaffinen Verhalten der entfesselten Individualisten, doch die vielschichtigen Dialoge und die unaufdringliche Ironie der Geschichte machen diesen Makel mehr als wett.

Walter Brunhuber

Walter Brunhuber

rezensiert für den Borromäusverein.

Seemannslied

Seemannslied

Ken Kesey ; aus dem amerikanischen Englisch von Milena Adam
März (2025)

697 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623021
ISBN 978-3-7550-0055-6
9783755000556
ca. 38,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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