Die Fremde neben dir
Jae-Young flieht vor ihrem gewalttätigen Freund. Nach dem letzten Kampf hat sie ihre gemeinsame Wohnung verlassen und will nie mehr zurückkehren. Im Zug setzt sich eine junge Mutter neben sie und beklagt sich bei ihr über die Affäre ihres Verlobten.
Jae-Young will die Frau einfach nur loswerden und als sie kurz auf die Toilette geht, ist sie hinterher verschwunden. Allerdings hat sie ihren schreienden Säugling am Platz gelassen. Sie füttert es mit der beiliegenden Flasche und dabei fällt auf, dass die junge Mutter ihr eine Nachricht hinterlassen hat: Sie bittet Jae-Young, das Kind zu ihren Schwiegereltern zu bringen. Aus Mitleid nimmt sie den Kleinen mit und als sie bei den Schwiegereltern ankommt, stellt sich heraus, dass sie sehr reich sind. Sie akzeptieren sie den Säugling sofort als das Kind des verlorenen Bruders (Sohn?) und halten Jae-Young für die Mutter. Völlig überrumpelt verpasst den Zeitpunkt, die Dinge zu korrigieren. Je mehr Zeit sie dort verbringt, desto besser gefällt es ihr. Dann stirbt der alte Patriarch und in der Familie tun sich Abgründe auf. Nichts ist mehr, wie es schien. – Die Story startet recht ruhig und zieht dann deutlich an. Die immer wieder auftretenden Enthüllungen und Familienkonflikte steigern die Spannung dann Richtung Mitte und Ende stark. Charakterlich verhaken sich die Figuren immer wieder miteinander, was die Story gut in die schlussendliche Richtung bringt. Die finale Zuspitzung kommt überraschend und schließt die Geschichte zufriedenstellend ab.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Fremde neben dir
Se-Ah Jang ; Deutsch von Irene Eisenhut
FISCHER (2026)
398 Seiten
kt.