Die Komponistin

Es geht um die französische Musikerin Mel Bonis (1858-1937). Von ihrer Urenkelin Christine Géliot gibt es eine auf Deutsch veröffentlichte Romanbiografie, die im Detail auf Werke der verschiedenen Lebensabschnitte eingeht und neben anderen Quellen Die Komponistin als Grundlage dient. Die musikalisch hochbegabte Mel entstammt einer musikfernen Familie und besucht das Konservatorium in Paris durch Protektion durch namhafte Künstler. Für Frauen galt zu der Zeit nur eine möglichst profitable Heirat. Als der nicht standesgemäße Sänger Amédée um ihre Hand anhält, ist die Geduld ihrer Eltern zu Ende. Sie wird genötigt, einen 22 Jahre älteren reichen Witwer zu heiraten, für Mel eine einzige Katastrophe. Sie zieht dessen fünf Kinder groß und bekommt drei eigene. Eines Tages tritt Amédée, ihre große Liebe, wieder in ihr Leben. Mit ihm hat sie eine uneheliche Tochter, die sie zur Adoption freigeben muss. Mit der Zeit komponiert sie wieder und kann schließlich auf ein umfangreiches Werk zurückblicken, das erst in neuerer Zeit die verdiente Würdigung erhält und mit steigender Popularität aufgeführt und auf Tonträgern veröffentlicht wird. – Das Besondere an dem kenntnisreichen Roman ist die Du-Perspektive. Die Autorin, selbst Komponistin, wendet sich auf einfühlsame Weise direkt an ihre Hauptperson und damit indirekt an ihre Leserschaft, eine gewöhnungsbedürftige, aber mit der Zeit reizvolle Erzähltechnik, die Nähe bewirkt. Für Interessierte an klassischer Musik und Frauenleben früherer Zeit gern empfohlen.

Barbara Riedl

Barbara Riedl

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Komponistin

Die Komponistin

Alissa Wenz ; aus dem Französischen von Alexandra Baisch
Verlag Klaus Wagenbach (2026)

234 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 756322
ISBN 978-3-8031-3390-8
9783803133908
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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