Flüchtige Freunde
In der Halloween-Nacht verschwindet die junge Studentin Charlotte spurlos. Noch Stunden zuvor hatte Leda sich mit ihr auf einer Campus-Party unterhalten. Zusammen mit anderen Kommilitoninnen organisiert sie Suchtrupps und Protestaktionen, nachdem sich
das College und die Polizei anfangs zurückhalten. Doch schnell wird klar, dass niemand Charlotte wirklich gut kannte und verlässliche Hinweise geben kann. Oberflächlich zeigen alle Anteilnahme, doch wirkliche Nachforschungen stellt nur Leda an, die eine der Letzten war, die Charlotte lebend gesehen hat. Als Leda von weiteren Schicksalen verschwundener Studentinnen erfährt, ist sie entsetzt, wie schnell ein Mensch vergessen werden kann und wie wenig die anscheinend heile Welt des Campus ein echter Familien-Ersatz für sie ist. Auch an ihrer eigenen Haltung gegenüber Freunden und Mitstudenten zweifelt sie von jedem Tag an mehr. - Dieser wunderbare Roman ist eine einfühlsame Geschichte über das Erwachsenwerden und die Reife, die einen Menschen wirklich ausmacht. Vor dem Hintergrund des ungewissen Schicksals und dem lauten, bunten und teilweise aggressiven College-Alltag, sind Ledas sanfte, leise Gedankengänge und ihr Reifeprozess deutlich sichtbar und geben dem Leser zu denken. Ein großartiges Leseerlebnis!
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Flüchtige Freunde
Anna Caritj ; aus dem Englischen von Christiane Sipeer
Berlin Verlag (2023)
379 Seiten
fest geb.