Nichts könnte trügerischer sein
Die junge Spanierin Alicia arbeitet als Übersetzerin in Großbritannien. Auf einer Zugfahrt von London nach Edinburgh lernt sie in ihrem Abteil zwei Männer kennen: Terry ist ein älterer Professor für Literatur, Bou ist sein junger Doktorand. Beide
unterhalten sich über Terrys neuen Roman, der ein Bestseller geworden ist; aber auch dabei ist, Terrys Karriere und Leben zu zerstören. Denn ein Kritiker meint, Terry habe in seiner Hauptfigur Rocco unerlaubt das Leben eines seiner Freunde, des Schweizers Hans, erzählt. Dieser ist daraufhin verschollen. Das Verschwinden wird Terry zur Last gelegt und er wird von aller Welt dafür kritisiert. Auf der Zugfahrt erzählt Terry Alicia die Vorgeschichte und die Hintergründe dieses Geschehens. Bou, der Alicia gegenüber zunächst reserviert ist, gefällt der jungen Dame und es knistert zwischen den beiden. Diese Geschichte lässt Alicia nicht in Ruhe und nach der Zugfahrt versucht sie, dem Geschehen und der Geschichte der Hauptfigur des Romans, Rocco, aber auch dem mysteriösen Hans auf die Spur zu kommen. – Der Roman ist das literarische Debüt der Autorin. Und mit diesem schafft sie es schnell, den Leser mit ihrer Geschichte, mit der Art, wie sie die Handlungsfäden verwebt, aber auch der gekonnten Zeichnung ihrer Protagonisten in ihren Bann zu ziehen (gelungen ist auch die einfühlsame deutsche Übersetzung von Astrid Roth). Kein Wunder, dass der Roman in Spanien bereits zum Bestseller wurde. Allen Beständen zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Nichts könnte trügerischer sein
Marta Pérez-Carbonell ; aus dem Spanischen von Astrid Roth
berlin Verlag (2025)
221 Seiten
fest geb.