Mein wahrer Name ist Elisabeth
Anhand von Briefen, Familienfotos, Krankenakten, Recherchen in Klinikarchiven und Gesprächen mit Familienangehörigen versucht die Autorin, ein Bild ihrer Urgroßmutter zu erstellen. Elisabeth, genannt Betsy, wächst als zweites von elf Kindern in
gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater, ein wohlhabender Textilunternehmer, ist der unumstrittene Patriarch und führt die Familie mit harter Hand. Es wird nicht viel gesprochen, schon gar nicht über eigene Probleme. Dafür wird viel geurteilt, vor allem über die Frauen und Töchter. Bloß nicht über die Stränge schlagen! Betsy widersetzt sich, sie ist impulsiv, leidenschaftlich und freiheitsliebend. In der jung geschlossenen, unglücklichen Ehe und den Herausforderungen der Mutterschaft verstärken sich Betsys psychische Probleme. Die Krankheit ist der Familie peinlich. Die junge Frau wird erst zu Hause weggesperrt, dann in eine psychiatrische Anstalt gebracht, wo sie 17 Jahre ihres Lebens verbringt. – Adele Yons literarisches Debüt ist mehr als die Biografie eines erschütternden Schicksals: Es ist ein vielstimmiges Familienporträt und ein zeitgeschichtliches Dokument, das die Gewalt gegen Frauen an den Pranger stellt. Für alle Bestände gerne empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Mein wahrer Name ist Elisabeth
Adèle Yon ; Deutsch von Sula Textor
Berlin Verlag (2026)
428 Seiten : Illustration
fest geb.