Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht
Misha Schoeneberg, Musiker, Autor und Historiker, erzählt in diesem Buch eindrucksvoll und den Leser erschütternd, wie er als Jugendlicher herausfand, dass sein Vater Jude war und Auschwitz erlebte. Seine Mutter, die einer dem Nationalsozialismus
durchaus nahestehenden Familie entstammte, hatte die jüdische Herkunft vor ihren Kindern ebenso verschwiegen wie sein Vater, der die Erlebnisse in und um Auschwitz sein Leben lang nicht verarbeiten konnte und darüber beharrlich schwieg. Nur mühsam findet der Junge über eine Tante heraus, was wirklich Grauenvolles mit seinem Vater und dessen Familie passierte. Danach schlägt er einen Bogen zum 7. Oktober 2023, dem Beginn des brutalen Massakers von Hamas-Terroristen-Milizen an jüdischen Siedlern. Er erläutert für den Leser hautnah nacherlebbar seine ganze Abscheu gegen dieses völkerrechtliche Verbrechen, aber auch sein absolutes Unverständnis dafür, dass bestimmte Strömungen in unserer Gesellschaft dieses Massaker gutheißen, als Befreiungskrieg preisen und dadurch eine neue Antipathie gegen alles Jüdische in Deutschland entsteht; oder – was noch schlimmer wäre – immer bestanden hat und jetzt wieder aufflammt. – Beide Themen machen das Lesen nicht immer einfach. Doch das Buch sollte geradezu zur Pflichtlektüre werden, vor allem für die Angehörigen der jüngeren Generation, die mit diesen Thematiken nicht oder nur unzureichend vertraut sind.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Vielleicht wollte er gar nicht schweigen, er fand bloß die Worte nicht
Misha Schoeneberg
berlin Verlag (2026)
202 Seiten : Illustration
fest geb.