The long time - die währende Zeit
Kann es sein, dass ein Gedicht durch die Übersetzung in eine andere Sprache an Gewicht und Farbe gewinnt? Im Englischen hat das diesem Band den Titel gebende Gedicht den Titel "The long time". Christoph König hat für dieses schlichte, scheinbar
leicht ins Deutsche zu übersetzende "long time" die Übersetzung "Die währende Zeit" gefunden. Dadurch bekommt der in dem Gedicht von dem Autor angeschlagene Ton von 'Zeit' sofort ein länger anhaltendes Echo. Es handelt sich nicht nur um eine sich lang hinziehende chronologisch verlaufende Zeit, sondern um eine Zeit, die ohne Begrenzung andauert, die 'währt', die 'bleibt'. Eine 'lange Zeit' muss man sich auch nehmen bei der Lektüre dieser Gedichte. Immer wieder beschreibt Berger in seinen Gedichten scheinbar banale Alltagsobjekte wie einen Fernseher, einen Bleistift, eine Orange, eine Büchse Seifenlauge, um die herum er dann seine lyrischen Erzählungen ausbreitet, die dann auch wieder ganz alltäglich erscheinen. "Darf man besondere Ereignisse erwarten, wenn man/ weiß, das nichts Großartiges sich je zuvor ereignet hat?" Und dann gibt es auch wunderbare Momentaufnahmen, die lange beim Leser nachhallen. " Ist Schönheit einmal hergestellt,/ sind Dichter überall glücklich,/ obwohl sie weinen." Die in ihrer Bedeutung gewiss nicht immer leicht zu verstehenden Gedichte von Berger hat Christoph König sehr gut ins Deutsche übertragen.
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
The long time - die währende Zeit
Donald Berger
Wallstein (2015)
167 S.
fest geb.