Religion und Politik
Wie breit das Themenspektrum „Religion und Politik“ ist, zeigt dieser von M.W. Ramb und H. Zaborowski herausgegebene Sammelband von 24 Aufsätzen. Er vereint historische und religionssoziologische Überlegungen mit sozialethischen, kirchenrechtlichen,
religionspädagogischen und bibeltheologischen Reflexionen, nimmt Stellung zum Konfliktfeld Islam und Laizismus oder Verfassungsrecht. Selbst die päpstliche Friedenspolitik oder die heute weitgehend in den Hintergrund getretene rechts- und staatsphilosophische Theorie einer societas perfecta, die seit Aufklärung und Absolutismus auch ein Orientierungspunkt für das kirchliche Selbstverständnis war, finden eine Behandlung. Sucht man nach einem Gravitationspunkt in diesem weiten Feld, so findet man ihn dort, wo es um die freiheitliche Gestalt demokratischer Gemeinwesen geht, aus der Religion nicht nur Nutzen zieht, sondern auch konstitutiv mitwirkt. Dabei zeigt sich ganz klar auch der Vorteil, der dem Staat ebenso wie den Kirchen gerade aus dem Modell ihrer Trennung erwächst, wie es in Deutschland geschichtlich gewachsen ist und praktiziert wird: das Modell einer autonomen Zusammenarbeit. So helfen die Beiträge nicht nur, wesentliche Aspekte unserer Staatlichkeit besser zu verstehen, sondern auch, die Entwicklungsschritte nachzuvollziehen, die das Staatsverständnis der Kirche seit dem Vatikanum II. durchgemacht hat. – Sehr informativ, großen Büchereien empfohlen.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Religion und Politik
Herausgegeben von Martin W Ramb und Holger Zaborowski
Wallstein Verlag (2026)
407 Seiten
fest geb.