Kein Bild von mir
Neben der Insektenbeobachtung ist das Zeichnen Jips große Leidenschaft. Doch die Ferienhausaufgabe, ein Selbstporträt anzufertigen, wird zum Problem. Der Grund erschließt sich erst allmählich in nicht zum Abschicken bestimmten Briefen an ein namenloses
Du, Jips heimlichen Schwarm, der vor einiger Zeit neu in die Klasse kam. Es sind ruhige, bild- und metaphernreiche Texte mit eingestreuten Zeichnungen, in denen Jip – vermutlich 16 Jahre alt – von aktuellen und früheren Erlebnissen und Gedanken berichtet, vom Verlust des besten – eigentlich einzigen – Freundes, vom Hingezogensein zum Adressaten der Briefe, von der Unsicherheit in Bezug auf die eigene geschlechtliche Identität und die eigenen Gefühle, von den Schwierigkeiten mit sozialer Akzeptanz. Die Lektüre wirkt wie ein sprachliches Vexierbild, und erst am Ende besteht Klarheit, die sich dann auch im fertiggestellten Selbstporträt zeigt. Achtung Spoiler: Jip ist biologisch ein Mädchen, das sich als Junge fühlt. – Ein einfühlsames, unspektakuläres Buch, das in den Niederlanden preisgekrönt ist. Sollte in ausgebauten J-Beständen nicht fehlen!
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Kein Bild von mir
Ludwig Volbeda ; aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Gerstenberg (2026)
217 Seiten : Illustrationen
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 14