Die Seele der Ökumene
Dass ein ökumenischer Prozess von den Kirchenleitungen ausgehen muss und teilweise vergleichbar einem Verwaltungsakt ist, scheint eine unhintergehbare Tatsache zu sein. Anders der Ansatz, den George Augustin in seinem neuen Buch über "Die Seele der
Ökumene" vorlegt. Hier geht es nicht um gemeinsame Beschlüsse und zähe Verhandlungen am grünen Tisch. Für Augustin ist Ökumene ein geistlicher Prozess, etwas, das sich in der persönlichen Christus-Beziehung entscheidet. So steht für Augustin auch nicht die Darstellung möglicher Modelle der Einheit im Vordergrund, als vielmehr die Betonung der ökumenischen Spiritualität als Wurzelgrund des Zusammenwachsens der beiden getrennten Konfessionen. Was eigentlich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Leitmotto für den Dialog mit den orthodoxen Kirchen ausgerufen wurde, gilt in besonderer Weise auch für die Beziehung zu den Kirchen der Reformation: Ökumene als "lebendigen Dialog in Liebe und Wahrheit" ernst zu nehmen und so gemeinsam in liebender Begegnung nach der Wahrheit zu suchen. Das ist kein bürokratischer Akt, sondern ein zutiefst geistlicher Prozess. George Augustin hat das erkannt und legt es in seinem Buch ausführlich dar. Sein Werk ist daher für alle am ökumenischen Gespräch Interessierten nachdrücklich zu empfehlen.
Fabian Brand
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Seele der Ökumene
George Augustin
Patmos-Verl. (2017)
221 S. : Ill.
fest geb.