Wilde Kirche
Die "Wilde Kirche" kann und will die institutionelle Kirche nicht ersetzen, sie existiert vielmehr weltweit und zu allen Zeiten und zeigt sich in Volksfrömmigkeit, überlieferten Geschichten und mystischen Erfahrungen. Sie wird von den jeweils herrschenden
verfassten Religionen integriert oder überformt. Es gibt in ihr keine festgeschriebene, einzig gültige, objektive "Wahrheit", die man sich von außen aneignen könnte, sondern sie lebt von persönlichen leiblichen und seelischen Erfahrungswirklichkeiten. Dafür Räume und Zugänge zu schaffen, wäre aus Sicht des Autors eine wichtige Aufgabe der institutionellen Kirchen. Wagnis und Weite also statt Sicherheit, Kontrolle und Selbsterhalt. Jan Frerichs gehört dem säkularen franziskanischen Dritten Orden an und leitet eine "Lebensschule", in der Naturerfahrung und universelle Verbundenheit eine zentrale Rolle spielen. Sie will Menschen befähigen, jenseits von Selbstoptimierung und Leistungszwang selbst Verantwortung zu übernehmen für sich und die Welt. Im ersten Teil des Buches hat er seine eigene spirituelle Suche zu einer Geschichte verdichtet. In den "Reflexionen" des zweiten Teils geht es darum, was Wilde Kirche sein kann und – anhand von Impulsfragen – wo die Leser:innen stehen. Im Praxisteil schließlich gibt es Handreichungen, wie man selbst einen Rahmen schaffen kann für Erfahrungen Wilder Kirche. Das Buch ist von der christlichen und besonders der franziskanischen Tradition geprägt und eignet sich daher besonders für Menschen, die christlich sozialisiert sind, sich aber nach mehr Unmittelbarkeit, Verbundenheit und Spiritualität sehnen. Es sollte ab mittelgroßen Re-Beständen angeboten werden!
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Wilde Kirche
Jan Frerichs
Patmos Verlag (2024)
182 Seiten
fest geb.