Die Schönheit des Christentums
Wenn Ahmad Milad Karimi, der an der Islamisch-theologischen Fakultät der Universität Münster islamische Philosophie und Mystik lehrt, dem Christentum eine „Liebeserklärung“ widmet, dann versteht er sich nicht als an der Grenze zur Konversion
stehend. Er sieht im Neuen Testament (wie auch im Alten) die Vorgeschichte, den Kontext seines eigenen Glaubens, der gerade in seiner Fremd- und Andersartigkeit berührt und das Eigene aus dem Gewohnten herausreißt und neu entdecken lässt. Karimi nennt es eine „Form der inneren Gastfreundschaft“, die ja nie anders als bereichernd sein kann. Wir wissen, welche Rolle Jesus als Prophet und Vorläufer Mohammeds im Islam spielt und welche Verehrung seine Mutter auch dort genießt. Dass Gott in Jesus Mensch wird, kann Karimi freilich nicht teilen, weil er darin die absolute Freiheit Gottes, seine völlige Andersheit und Jenseitigkeit gefährdet sieht. Dennoch findet er einen Bezug dazu in der Idee einer „äußersten Verdichtung“ der „liebenden Nähe“ Gottes. Das mag denkerisch inkonsistent sein und zu einer tieferen Besinnung auf Transzendenz und Immanenz Gottes herausfordern. Wichtiger ist, dass hier ein Weg des Dialogs sich eröffnet, der am Faszinosum des Christentums ansetzt, an der Erfahrung geistlicher, religiöser Schönheit, die freilich auch von uns Christen wieder mehr wahrgenommen und mitgeteilt werden sollte.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Schönheit des Christentums
Ahmad Milad Karimi
Patmos Verlag (2026)
109 Seiten
fest geb.