Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen

Vorab gesagt: Die im Titel erwähnten Yakisoba sind Hähnchenspieße und es kommt sehr auf die Soße an, wie geschmackvoll sie sind. Die 47-jährige japanische Autorin ist hierzulande noch unbekannt, der vorliegende Roman ihre erste Buchveröffentlichung Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen in deutscher Sprache und in der Übersetzung von Katja Busson präsentiert sich eine sehr schmackhafte Lektüre. Tsumura erzählt in der Ich-Form von einer Frau, die den alltäglichen Ritualen mit einer Reihe von eher skurrilen und prekären Beschäftigungsverhältnissen zu entkommen sucht. Das beginnt gleich mit dem Auftrag zur Observation einer Schriftstellerin, als würde die Figur ihrer Autorin über die Schulter schauen. Und natürlich geht es immer auch um Essen, Kollegen und Vorgesetzte in den fünf episodenartig geschilderten Arbeitsverhältnissen. Auch wenn Tsumura zügig und mit Fantasie in diese wundersame Welt des japanischen Kapitalismus einführt, mögen die Leser an mancher Stelle ins Stocken geraten, wenn japanische Begriffe und auch die seelische Verfasstheit der Figuren zu erklären sind. – Mit koboldhaftem Witz versteckt Tsumura gar in den vielen Szenen ihres Romans Hinweise auf Literarisches, wie etwa den Schriftsteller Koldo Izagirre (S. 236). Es ist ein großes Lesevergnügen und interessant vor allem für etwas anspruchsvollere Leser und jene, die japanischem Leben Interesse entgegenbringen. Herzliche Empfehlung zur Auffrischung für alle Bestände.

Helmut Krebs

Helmut Krebs

rezensiert für den Borromäusverein.

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen

Kikuko Tsumura ; aus dem Japanischen von Katja Busson
eichborn (2025)

301 Seiten
kt.

MedienNr.: 624038
ISBN 978-3-8479-0224-9
9783847902249
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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