Mit den Augen einer Frau
Simone Frieling, selbst Malerin und Autorin vornehmlich von Frauenbiografien, stellt in diesem Buch drei Malerinnen aus der Zeit des Erwachens weiblicher Autonomie und künstlerischen Selbstbewusstseins vor. Damit stärkt sich auch der weibliche Blick
in den bildenden Künsten. Hat doch die Auswahl dieser drei Frauen den Reiz, die sehr unterschiedlichen Stil- und Kunstbegriffe sowie die sich kaum berührenden Lebensläufe als untereinander verwandten Impuls der unterschiedlichen Persönlichkeiten den Leser:innen nahe zu bringen. Käthe Kollwitz stellt ihr Werk in den Dienst der Menschen, die von Hunger, Krieg und Unterdrückung gezeichnet waren. Paula Modersohn-Becker befreite sich von allen bildnerischen Konventionen und ihr Werk wurde wegweisend für die Moderne. Ottilie W. Roederstein, die vermutlich heute am wenigsten bekannte der drei, war ihrerzeit eine höchst erfolgreiche Porträtistin, die als einzige der hier versammelten drei Frauen von ihrer Kunst leben konnte. Von der nationalsozialistischen Politik waren sie alle, auf unterschiedliche Weise, betroffen. Roederstein konnte ihre Porträts jüdischer Menschen nicht mehr ausstellen, Kollwitz wurde aus der Preußischen Akademie ausgeschlossen und ins Abseits gedrängt, die Bilder Modersohn-Beckers wurden als „entartet“ diffamiert und aus den Museen entfernt. Zu Lebzeiten als „Malweiber“ belächelt, gehören die drei heute zu den bedeutendsten Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jh. - Sachkundig und einfühlsam erzählt Simone Frieling von diesen drei starken, kreativen Frauen und deren Umgang mit Widerständen, privaten Schicksalen und dem Drang zur Kunst. Mit den knapp 130 Seiten und Illustrationen der Autorin kann das hübsche Büchlein als Empfehlung für alle Bestände gelten.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Mit den Augen einer Frau
Simone Frieling ; mit Grafiken von Simone Frieling
ebersbach & simon (2023)
blue notes ; 108
139 Seiten : Illustrationen
fest geb.