Aus dem Haus
Als ihre Eltern sich im Alter verkleinern wollen und das Familienhaus verkaufen, erlebt die erwachsene Tochter das ganze chaotische Alltagsleben ihrer Eltern und den schier unmöglich anmutenden Umzug mit. Die Ich-Erzählerin muss dabei mit fortschreitender
Zeit immer mehr als Vermittlerin zwischen ihrem stoischen Vater und der hysterisch-depressiven Mutter auftreten. In herrlich sarkastischen Rückblicken auf ihre eigene Kindheit und die nahe Verwandtschaft sowie das gespaltene Verhältnis der Familie zu ihrer Heimatstadt Kassel scheint es so, dass das ganze chaotische Familienleben unweigerlich in diesem katastrophalen und für alle belastenden Umzug münden musste. Jede Episode lässt einen beim Lesen weiter schmunzeln und vielleicht an ähnliche Eskapaden in der eigenen Familie denken. Und trotz allen Streits und nervlicher Anspannung spürt man doch auf jeder Seite, wie sehr die Tochter und die gealterten Eltern einander stützen und lieben. – Ein herrlich bissiger, sarkastischer, liebevoller und zu Tränen rührender Familienroman und ein großartiges Erstlingswerk. Sehr gerne empfohlen!
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Aus dem Haus
Miriam Böttger
Galiani Berlin (2024)
220 Seiten
fest geb.