Zwei Staatsanwälte
Kornew ist 1937 als junger, sowjetischer Staatsanwalt für die Beaufsichtigung der Gefängnisse in seiner Region zuständig. Als ihn über Umwege eine mit Blut geschriebene Botschaft aus einem der Gefängnisse erreicht, wird der idealistische Kornew
tätig und glaubt an eine lokale Verschwörung. Seine Meldung beim Generalstaatsanwalt in Moskau lässt ihn bald die wahren Verhältnisse in der Sowjetunion im Jahre 1937 erkennen. Der kurze Roman beschreibt auf eine fast sachliche Art und Weise den stalinistischen Terror gegen die eigene Bevölkerung und die Ideale des Kommunismus. Kornew fühlt sich als Staatsanwalt dem Schutz der kürzlich verabschiedeten Verfassung verpflichtet und wird von oberster Instanz durch den Generalstaatsanwalt vernichtet. Deutlicher kann die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in der damaligen Sowjetunion nicht aufgezeigt werden. – Georgi Demidow war selbst den Repressalien der stalinistischen Diktatur ausgesetzt, wurde 1937 inhaftiert und starb 1987 in dem Glauben, dass alle seine Schriften vom KGB vernichtet wurden. Erst seit 2008 werden seine Schriften wieder neu aufgelegt. So ist die Geschichte des Romans selbst ein Zeugnis der Unterdrückung in der ehemaligen Sowjetunion. Ein umfangreiches Nachwort von Thomas Martin und Irina Rastorgueva zeigt unter anderem viele Parallelen zwischen dem heutigen Russland unter Putin und dem von 1937 unter Stalin auf. Es wird deutlich, wie erneut das Rechtssystem zur Unterdrückung der Kritiker und zur Sicherung der Macht von Eliten genutzt wird. So machen Roman, Überlieferung des Romans und das aktuelle Zeitgeschehen das Buch zu einer Leseempfehlung, die jedoch alles andere als leichte Kost ist.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwei Staatsanwälte
Georgi Demidow ; aus dem Russischen übersetzt von Thomas Martin und [einer weiteren]
Galiani Berlin (2025)
231 Seiten
fest geb.