Erinnere dich ewig
Aleksandars Mutter ist ungarisch-jüdischer Abstammung, der Vater serbisch-orthodox. Der serbische Schriftsteller Tišma, der 1924 in Novi Sad am Ufer der Donau geboren wurde, erzählt in seiner Autobiographie, dass er schon in seiner Kindheit und
Jugend das Gefühl hatte, nirgendwo zugehörig zu sein. Schreibend möchte er diese Unsicherheit überwinden. Seltsam unbeteiligt erlebt er die Kriegsjahre. Französischen Schriftstellern wie Proust, Balzac oder Zola fühlt er sich näher als einem Staat oder einer Ideologie. Wichtig sind ihm die Freiheit der Rede und des Denkens. Neben der Literatur ist er besessen von schönen Frauen. Nach dem Krieg arbeitet er als Journalist in seiner Heimat Jugoslawien. Seinen Traum, Schriftsteller zu werden, hat er noch nicht aufgegeben. Er fühlt sich eingeengt und würde gerne nach Paris reisen. Da ihm ein Reisepass jahrelang verweigert wird, versucht er, sich mit dem Regime zu arrangieren. Er veröffentlicht erste Erzählungen und schreibt ein Theaterstück. Erst ab 1957 darf er reisen und besucht Europa und später die USA. - In literarischen Reisebeschreibungen tritt er nun auch als kritischer Beobachter auf. Mit seinem Roman "Blam" beginnt er, sich mit dem Judentum auseinanderzusetzen und die zwei Hälften seiner Herkunft zusammenzusetzen. In seinem Werk zeigt er sich als Chronist des vergangen Jahrhunderts. Ab mittleren Beständen für eine geschichtlich und literarisch interessierte Leserschaft.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Erinnere dich ewig
Aleksandar Tisma ; aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann
Schöffling & Co. (2021)
310 Seiten
fest geb.