Findet mich

Erwin wurde in Kindheit und Jugend von seinem Vater (und der schweigenden Mutter) dominiert: Nichts war gut genug, in seiner Berufs- und Partnerwahl entspricht er nicht den väterlichen Ansprüchen. Dieser hält die Vorwürfe bis zu seinem Tod aufrecht. Findet mich Die durchlittene Unterwerfung überträgt Erwin in seine eigenen Beziehungen: Von seiner Frau fordert er, Nebenbeziehungen zuzustimmen, in denen er sexuelle Macht ausleben will. Die beiden gemeinsamen Kinder erleben einen zu Zornesausbrüchen neigenden Vater und im wenig erfolgreichen Berufsleben kann er sich nur durch häufige Stellenwechsel durchhangeln. Seine resolute Frau gleicht familiär mehr als ihr gut tut aus, besteht auf eigene kulturelle Freiheiten, überwacht die Finanzen und baut sich eine erfolgreiche Erwerbstätigkeit auf. Die Tochter reagiert in der Pubertät mit Magersucht, der Sohn entwickelt als Musiker seine Welt. Nachdem Erwin auf kein Familienmitglied mehr Eindruck machen kann, entwickelt sich bei ihm eine psychische Erkrankung. Er lässt alles hinter sich, will in der Natur allein leben, hinterlässt jedoch ausreichend Nachrichten und Zeichen, um gefunden zu werden. Dieser Plan geht auf, seine Familie achtet dabei jedoch mehr auf sich. Die Kinder hinterfragen dieses familiäre Lösungsmodell. - Aus der Perspektive der Tochter beschreibt Doris Wirth fünf Jahrzehnte einer Schweizer Familie, beginnend in den 1970er Jahren, mit all den zeitgeschichtlichen (auch Geschlechter-) Entwicklungen. In kräftiger Sprache treibt sie die Beziehungen rund um die Hauptfigur voran. Den Lesenden bleibt durch die Eindeutigkeit der Schilderungen viel Raum, sich in Beziehungen einzudenken und zu reflektieren. - Empfohlen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Findet mich

Findet mich

Doris Wirth
Geparden Verlag (2024)

324 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 753807
ISBN 978-3-907406-11-3
9783907406113
ca. 30,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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