Wir kommen nach
Zu fünft fahren sie hinaus zum Forstfriedhof, wo Heide beerdigt wird: die beiden Söhne, ein Enkel und die beiden Schwiegertöchter, die Ich-Erzählerin ist eine davon. Heide war zwei Monate nach ihrer Krebsdiagnose mit 82 Jahren verstorben, und es
war ihr Wunsch, ohne "Amtsträger der Kirche" bestattet zu werden. Jetzt ist es an der Erzählerin, die passenden Worte zu finden. Schließlich hat sie (evangelische) Theologie studiert (was sie mit der Autorin gemeinsam hat). Doch sie hat noch keine angemessene Form gefunden. Ihre Gedanken fliegen während der Fahrt. Sie schweift ab zum Anfang ihrer Beziehung zu Heide. Ihr Verhältnis war zwiespältig. Heide und sie waren ein gutes Team, "solange die Männer nicht da waren". Die Schwiegermutter war immer zur Stelle, doch manchmal empfand sie sie als übergriffig. In den letzten Tagen hat sie die Sterbende durch Telefongespräche begleitet. „Kann man nicht irgendetwas tun“, hatte Heide sie und ihre Söhne gefragt. In fünf gedanklichen Exkursen geht es um den Tod, auch um Sterbehilfe, sie fragt sich, was sie sich für sich selbst wünschen würde. Am Ende ist es Heide, die das Essen verweigert, und die Ich-Erzählerin fährt mit ihrem Mann zu ihr, um sich zu verabschieden. – Der Roman der in Ost-Berlin (1963) geborenen Autorin stellt das Ringen um die letzten Momente in sehr eindrücklicher Weise dar, ist sprachlich allerdings eigenwillig, und kann allen Büchereien empfohlen werden.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir kommen nach
Manuela Fuelle
Stifter Verlag (2025)
267 Seiten
kt.