Das gute Benehmen
Der Roman beschreibt in der Ich-Erzähler-Form das Leben der eigenwilligen Aroon St Charles. Dargestellt wird ein Lebensschicksal in Irland zur Zeit des Niedergangs der irischen „besseren Gesellschaft“ in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., in
denen die Dekadenz und Verarmung der Schicht der Landlords nur kaschiert werden kann durch äußere Form, eben das schickliche „Gute Benehmen“. In ihrem Selbstporträt beschreibt die unangepasste Aroon, wie sie im Herrensitz Temple Castle heranwuchs und wie sie lernen musste, sich in dieser Scheinwelt zu behaupten. Sie schildert ihr zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Mutter, ihre Liebe zu ihrem jüngeren Bruder Hubert und ihre Leidenschaft für den jungen Nachbarn Richard, bis sie erfahren muss, dass dieser eine Affäre mit ihrem Bruder hat. Doch Aroon ist nicht die Frau, die sich mit all dem abgibt. Ganz subtil plant sie, sich für die ganze Unbill zu rächen. – Molly Keane veröffentlichte in den 20er bis 50er Jahren viele Romane unter Pseudonym, weil es für eine Frau ihrer Schicht zu dieser Zeit als unschicklich gegolten hätte, so etwas zu schreiben. Erst nach gut zwanzigjähriger schriftstellerischer Abstinenz verfasste sie als 77-Jährige 1981 ihren gesellschaftskritischen Roman „Das gute Benehmen“. Eine interessante Familiengeschichte, gleichzeitig eine ausgezeichnete Milieustudie und Darstellung der Gesellschaft Irlands in einer Zeit des Übergangs.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das gute Benehmen
Molly Keane ; aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
Kjona (2026)
334 Seiten : Illustration
fest geb.