Der Prozess der Modernisierung

Man merkt die Absicht und ist leicht verstimmt. Achim Stegmüller, Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, legt seinen Debütroman vor, eine durch fünf Jahrhunderte galoppierende Geschichte, die in Japan und in Deutschland spielt, ein Der Prozess der Modernisierung „Panorama“, das mit dem Werbetext ein Treffen der Kulturen ankündigt, das aber eher ein Dating ist. Worum geht es? Ein deutscher Assistent an einer japanischen Universität wird dort von seinem Professor beauftragt, über die Bauernkriege in Deutschland zu forschen. Der ehrgeizige Ich-Erzähler verheddert sich in sprachsemantischen und kunsthistorischen Betrachtungen, Selbstzweifeln, Aufstiegswillen und Abwärtsangst, Kritik der Ausbeutung des akademischen Mittelstands und einer sich dezent anbahnenden Liebesgeschichte. Was dabei an Loyalitätskonflikten, Kultur- und Modernisierungsschelte mitverhandelt wird, ist zwar gelegentlich szenisch ansprechend dargestellt, steht aber erzählerisch auf schwachen Füßen. Ein Thesenroman über den Schotter des Fortschritts und den Schatten eines interkulturellen Klassismus, nur bedingt empfehlenswert.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Prozess der Modernisierung

Der Prozess der Modernisierung

Achim Stegmüller
Gans Verlag (2026)

Gegenwarten ; Band 39
165 Seiten : Illustration
fest geb.

MedienNr.: 627270
ISBN 978-3-946392-83-5
9783946392835
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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