Was tun, wenn ...

Die Stiftung Buchkunst prämiert jährlich die schönsten (und innovativsten) deutschen Bücher. Voilà: mit dem vorliegenden "Was tun, wenn …" von Laura Momo Aufderhaar und Verena Hochleitner gibt es einen Anwärter für 2026. Hier werden Verhaltensregeln Was tun, wenn ... für zehn Katastrophen erzählerisch vorgestellt. Vom Feuer, Erdbeben und Sturm wird berichtet. Vom Vulkanausbruch oder der Begegnung mit einem Bären. Immer liegt der Fokus darauf, nicht in Panik zu verfallen, nicht in Schockstarre zu geraten, sondern mittels Wissen klug und überlegt zu reagieren. Dabei wird zunächst jeweils in einem kleinen Gespräch zwischen einem Ich (vorsichtig) und einem Du (übermütig) die Gefahrensituation durchgespielt. So schlägt beispielsweise im Höhlenkapitel die eine Person vor, eine Höhlenexpedition zu unternehmen, und dann wird sich über Ausrüstung, Wegkennzeichnung und Trinkwasserbeschaffung ausgetauscht. Ähnlich wie in allen anderen Kapiteln wird mit einem mutmachenden Beispiel von einem Unglück berichtet, das gut ausgegangen ist. In diesem Fall ein Höhlenunglück aus Thailand, in dem ein Fußballjugendteam bei einem Ausflug von einem Unwetter überrascht wurde und neun Tage in einer Höhle eingeschlossen war. Alle Teilnehmer haben durch das umsichtige Handeln des Trainers überlebt. Im Anschluss an den Dialog folgt auf einer leuchtend orangen Doppelseite eine Grafik, die mit Ja/Nein-Szenarios entsprechende Kurzinfos gibt. Hier von der Frage nach Handyempfang bis zu der Frage nach Wasser und Essen. Die Herangehensweise, durch Wissen Mut zu machen, überzeugt. Die Gefahren werden nicht heruntergespielt, aber auch nicht als aussichtslos dargestellt. Und trotz der lebensbedrohlichen Situationen wird keine Figur in Panik gezeigt. Für die sich unterhaltenden zwei Erzähler:innen hat das ganze ohnehin eher Abenteuercharakter, denn die Gefahren werden glücklicherweise ja nur im Gespräch durchgespielt. Mittels Tusche, Bleistift, Frottage und gewalzten Strukturen ist eine besondere Bebilderung der Szenarien entstanden. Sehr fein aufeinander abgestimmt ist hier das ganze visuelle Erscheinungsbild. Während die Illustration und der Text eine Gemeinschaftsproduktion beider Künstlerinnen ist, zeichnet Verena Hochleitner sich zusätzlich für die Buchgestaltung verantwortlich. Die Komposition aus Weißraum, Vollfarbe, Neonleuchten und blauem Fließtext zusammen mit der Haptik von strukturiertem Cover und matten Innenseiten ist ein außergewöhnliches Kunstwerk. Gehört in jede Bibliothek. – Sehr gerne empfohlen.

Anna Winkler-Benders

Anna Winkler-Benders

rezensiert für den Borromäusverein.

Was tun, wenn ...

Was tun, wenn ...

Laura Momo Aufderhaar, Verena Hochleitner
kunstanstifter GmbH & Co. KG (2025)

60 Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig)
fest geb.

MedienNr.: 622905
ISBN 978-3-948743-49-9
9783948743499
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 10
Systematik: KLe
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