Badjens
Zarah wird als erstes Kind ihrer Eltern im iranischen Shiras geboren. Für den Vater und dessen konservative Familie ist die Enttäuschung groß, hatte man doch auf einen Sohn gehofft. Ihre Mutter nennt das Mädchen "Badjens", was im Alltagspersischen
"schelmisch" oder "aufmüpfig" bedeutet. Als nach drei Jahren der ersehnte Stammhalter das Licht der Welt erblickt, wird er vom ersten Tag an wie ein Prinz behandelt und maßlos verwöhnt. Badjens lernt früh, mit Missachtung und Zurückweisung umzugehen. Die Mutter versucht, im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten, die Ungerechtigkeit auszugleichen und die Tochter zu unterstützen. Im Alter von neun Jahren wird für Badjens, wie für alle iranischen Mädchen, das Tragen des Kopftuchs zur Pflicht. Die Sittenpolizei ist allgegenwärtig und geht brutal gegen Verstöße vor. Nach dem gewaltsamen Tod einer Schülerin rumort es im Land. Frauen gehen auf die Straße und skandieren "Frau, Leben, Freiheit!" Auch Badjens schließt sich den Demonstrantinnen an und setzt ein flammendes Zeichen. – Der in poetischen, eindringlichen Bildern erzählte Roman wird für alle Bestände gern empfohlen.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Badjens
Delphine Minoui ; aus dem Französischen von Astrid Bührle-Gallet
Orlanda Verlag GmbH (2025)
reihe welt bewegt
140 Seiten
fest geb.