Phytopia Plus
In nicht allzu ferner Zukunft ist der Klimawandel signifikant vorangeschritten und hat zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft geführt: Wohlhabende Einwohner:innen Hamburgs leben in komfortablen geschlossenen Gemeinschaften, während die restliche
Bevölkerung in prekären Verhältnissen Obst und Gemüse oftmals kaum noch zu Gesicht bekommt. Aylin befindet sich dabei mit ihrer Stelle bei Drosera noch in einer vergleichsweise günstigen Situation. Dort kümmert sie sich um Pflanzen, in deren DNA das Bewusstsein verstorbener Menschen gespeichert ist, während sie im heimlichen Nebenerwerb selbst Zimmerpflanzen züchtet und an die Oberschicht verkauft. Als sie jedoch beginnt, Ableger von Pflanzen mit Bewusstsein zu ziehen, beginnen sich allerhand tiefgreifende ethische Fragen zu stellen - und hohe Strafen zu drohen, falls ihr Arbeitgeber von ihren Aktivitäten erfahren sollte. - Es fällt (leider) leicht, sich Aylins Welt als mögliche Zukunft vorzustellen und in ihre ebenso faszinierende wie erschreckende Lebensrealität einzutauchen. Auch die Konsequenzen einer Übertragung menschlichen Bewusstseins in Pflanzen bieten spannenden Stoff zum Nachdenken; hier hätte jedoch Potential bestanden, diesen Fragen weiter auf den Grund zu gehen, statt den Roman relativ abrupt enden zu lassen. Dennoch gerne zu empfehlen.
Marlene Knörr
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Phytopia Plus
Zara Zerbe
Verbrecher Verlag (2024)
271 Seiten
fest geb.