Sizilianische Nacht
In diesem Kriminalroman hat sich der Autor Frank Göhre von der Geschichte des Dandys Raymond Roussel inspirieren lassen. Seine Hauptfigur heißt Jean-Paul Durand und gleicht Roussel in vielen Details. Er ist Erbe eines riesigen Vermögens und lebt
ein verschwenderisches Leben. Er hat sich für seine Reisen ein bewohnbares Fahrzeug mit allem erdenklichen Luxus erfunden. Der Reichtum, die Tablettensucht und seine Homosexualität, die er nicht ausleben darf und die ihm Schuldgefühle verursacht, haben ihn einsam gemacht. Ein Arrangement zum gegenseitigen Vorteil mit einer ehemaligen Prostituierten, die ihn stets begleitet, hilft den Schein nach außen zu wahren. Im Sommer 1933 reist Durand nach Palermo, um den Feierlichkeiten zu Ehren der Heiligen Rosalia beizuwohnen. Allerdings gibt es auch ein Treffen mit der Mafia, die mehr oder weniger hinter den Kulissen die Stadt beherrscht. Was dabei genau besprochen wird, ist nicht klar. Als Durand eines Morgens tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird, setzt sich ein komplizierter Mechanismus in Gang, der von den ganz unterschiedlichen Interessen der einzelnen Akteure in diesem Spiel angetrieben wird. – Göhre hat hier keinen klassischen Kriminalroman geschrieben, denn eine eindeutige Auflösung gibt es nicht. Er zeichnet das Bild einer schillernden Figur, deren Leben in einer ebenso schillernden Stadt, in der der Schein oftmals trügt, sein rätselhaftes Ende findet. Ein spannender Roman mit interessanten Figuren.
Julia Heß
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sizilianische Nacht
Frank Göhre
CulturBooks Verlag (2025)
162 Seiten
kt.