Der Mitternachtssammler

Musa kann sich aufgrund einer Fehlbildung der Beine nur kriechend fortbewegen. Für die Dorfbewohner ist er daher ein Außenseiter, wird verspottet und, falls sich in seiner Gegenwart ein Unglück ereignet, damit in Verbindung gebracht und gemieden. Der Mitternachtssammler Nur die schöne Muness ist ihm freundlich gesinnt und lobt ihn für seine Tüchtigkeit und seinen Mut, doch sie ertrinkt in der Feenquelle. Nach dem Unfalltod seines Vaters bestellt Musa einen kleinen Acker, um Nahrungsmittel für sich und seine Mutter Sultana anzubauen. Mit der zunehmenden Dürre fällt diese Einkommensquelle jedoch weg, und Musa hört in einem Laden, wie jemand Gebeine an die Taliban verkauft. Fortan begibt er sich im Schutz der Dunkelheit auf den Friedhof, um dort alte Gräber auszuräumen. Eine Zeitlang geht dies gut, doch Musa kommen Zweifel. Er teilt dem Händler mit, dass er nicht länger Knochen liefern wird, und unterschreibt damit sein Todesurteil. – In seinem zweiten, erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Roman verknüpft der 1975 in Afghanistan geborene Autor die afghanische Geschichte zwischen den frühen 1970er Jahren und 2001 mit dem harten Schicksal seines Protagonisten. Das sprachlich sehr ansprechende Buch ist sehr empfehlenswert.

Martina Häusler

Martina Häusler

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Mitternachtssammler

Der Mitternachtssammler

Zia Qassemi ; aus dem afghanischen Persischen von Kurt Scharf und [einem weiteren]
sujet verlag (2025)

213 Seiten
kt.

MedienNr.: 624061
ISBN 978-3-96202-152-8
9783962021528
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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