Wolfgang Kohlhaase
Wolfgang Kohlhaase (gest. 2022) ist für ältere Personen aus den neuen Bundesländern eine Ikone von Witz und Widerständigkeit in einem ansonsten eher tristen und reglementierten System. Er gilt neben Billy Wilder als einer der bedeutendsten Drehbuchautoren
aus Deutschland. Im Osten Berlins 1931 geboren führte sein Talent in der Frühphase der DDR rasch zum Film, wo er für die DEFA Bücher zu weltbekannten Filmen wie "Solo Sunny" und „Ich war Neunzehn“ schrieb. Sein enges Verhältnis zu Regisseuren wie Gerhard Klein, Konrad Wolf und zuletzt dem 32 Jahre jüngeren Andreas Dresen zeichnet die Autorin in liebevoll vertrauter Weise nach. Kern des Buches sind dabei Beschreibungen der Filme Kohlhaases, ihre tiefe Humanität und Leichtigkeit selbst bei schwierigen Themen. Dass Kohlhaase den Puls der DDR-Gesellschaft genau, wogleich doch auch aus der Perspektive der Utopie des Sozialismus fühlte und in seinen lakonischen Dialogen punktgenau wiedergab, hebt Bastienne Voss zu recht heraus. Die Haltung Kohlhaases als dem System solidarisch verbundener Autor zeigt, wie unbeirrt am Alltagsleben sich orientierend Idealismus und Realismus zu verbinden sind. Problematisiert wird an dieser Haltung von der Autorin nichts. Ein Schweigen zum Aufstand vom 17. Juni 1953, leichthin angedeutete Probleme in DEFA, Staatsführung und Wirtschaft, das ist für eine Beschreibung eines der bedeutendsten und wirkmächtigsten Autoren der DDR etwas dünn. Das Buch ist dabei wichtig und richtig, gerade auch um die Besonderheit der DDR und ihrer Film-Dramaturgie zu verstehen. Es möge die Sehnsucht nach den sozialen und utopischen Momenten des Geschichtenerzählens im Film stärken. – Das Buch sei den größeren Beständen und Büchereien mit Kinogängern unter den Lesern herzlich empfohlen.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Wolfgang Kohlhaase
Bastienne Voss
Ch. Links Verlag (2025)
247, [XVI] Seiten : Illustrationen
fest geb.