Die Welt nach dem Westen
Marwecki beschreibt zunächst den Aufstieg westlicher Demokratien zu dominierenden Kräften auf der Weltbühne. Seine Analysen über die Verschiebung der Einflusssphären im Zuge der Dekolonialisierung sprechen auch die Rolle der Machteliten in den
ausgebeuteten ehemaligen Kolonien an, ohne dass dies die Verantwortlichkeit der damaligen vor allem westlichen Kolonialstaaten relativiert. Der Autor verbindet seine Betrachtungen der gegenwärtigen Entwicklungen mit politischen Theorien zurückliegender Jahrzehnte und versucht einen Weg in die Zukunft zu entwerfen, auf dem ein Miteinander möglich ist. Auffallend ist, dass Marwecki seine Kritik vor allem Richtung Westen äußert, während er für die Befürchtungen Russlands und Chinas häufig Verständnis aufbringt. Deshalb lädt er die Schuld am Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zu einem nicht geringen Teil im Westen ab, auch wenn er Russland als imperialen Staat bezeichnet. Das Selbstbestimmungsrecht der Ukrainerinnen und Ukrainer spielt in diesem Gerangel der Großmächte um neue Einflusssphären für Marwecki offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Die umfangreiche Verwendung von Fachbegriffen erschwert die Lektüre.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Welt nach dem Westen
Daniel Marwecki
Ch. Links Verlag (2025)
288 Seiten
fest geb.