Fliegen wäre eine Option
Der Schwerpunkt in diesem autobiografischen Buch einer Schauspielerin und Sängerin mit Multipler Sklerose liegt weniger auf medizinischen oder praktischen Alltagstipps, sondern stärker auf der würdevollen inneren Haltung trotz Identitätsverlust
durch die Krankheit und dem Mut zum Weiterleben mit zerbrochenen Zukunftsentwürfen. Die Autorin lässt die Lesenden teilhaben an ihrem existentiellen Erfahrungsbericht über die zerstörerische Kraft der Krankheit auf die eigene Identität, die Beziehungen zu lieben Menschen und die Gestaltung des Bühnenlebens als Schauspielerin und Musikerin angesichts des dynamisch fortschreitenden Verlustes körperlicher Selbstverständlichkeit. Es imponiert eine poetische, fast träumerische Sprache in einem künstlerisch geprägten emotionalen Ton. Der Titel suggeriert eine metaphorische Sehnsucht, Verletzlichkeit und Fantasie als Überlebensraum bei stiller Selbstbehauptung. Der Inhalt des Buches schenkt im Sinne literarischer Wahrhaftigkeit Leserinnen, die keine Durchhalteparolen suchen, nachhaltigen Mut und Trost. Die bildhafte Sprache drückt das fantasiebegabte Innenleben der Autorin aus. Obwohl Verlust und Einschränkung zentral sind, ist der vorherrschende Tenor melancholisch, selbstironisch, leise trotzig und manchmal durch zärtliche und liebevolle Selbstachtung geprägt. Fotos, erinnerte Szenen und Reflexionen fördern die individuelle Resilienz. – Angesichts eines authentischen, dialogischen Klanges dieser einzigartigen Stimme einer durch ihr Schicksal gebremsten, talentierten Musikerin und Schauspielerin sind für alle Leserinnen bewundernswerte Selbstachtung, Würde, Fantasie und Mut zu einem Weiterleben mit Brüchen spürbar. Für alle Bestände.
Gudrun Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Fliegen wäre eine Option
Steffi Tauber
bene! (2026)
220 Seiten : Illustrationen (schwarz-weiß)
fest geb.