Die große Verdrängung
Eigene Erfahrungen des Autors mit der Veränderung der Alpenregion waren die Initialzündung für diese umfangreiche und sehr gut recherchierte Graphic Novel. Kolonialisierung, Industrialisierung, Globalisierung, Kapitalismus – all das beleuchtet
Grossi aus historischer, soziokultureller, wirtschaftlicher und politischer Perspektive. Mit dem eindrucksvollen Bild des Hais als Bedrohung für den Einzelnen zeigt er textlich fundiert und zeichnerisch hervorragend umgesetzt Missstände und negative Entwicklungen unserer Umwelt auf. Grossi sensibilisiert, appelliert an das Konsumverhalten des Einzelnen und weist auf die Notwendigkeit eines globalen Umdenkens und Aktivwerdens hin. Die Apokalypse (Teil 1), auf die unsere Natur zusteuert, manifestiert sich in den Kapiteln "Thermodynamik", "Biosphäre", "Ungleichberechtigung", "Krieg" "Verdrängung" und der Rolle des "Wir". Grossi postuliert in einem Interview "Wir haben die Macht" und will uns aus der Ohnmacht, der Verdrängung reißen. Er arbeitet mit starken, eindrucksvoll gezeichneten Panels unterschiedlicher Größe, teils ineinanderfließend, teils mit Bild-in-Bild-Komposition. Inhaltlich und zeichnerisch eine äußerst gelungene Graphic Novel mit Bibliografie zur Vertiefung. Für jede Bestandsgröße zu empfehlen.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Die große Verdrängung
Roberto Grossi ; Übersetzung aus dem Italienischen: Myriam Alfano
avant-verlag (2025)
207 Seiten : farbig
kt.