Junk
Die junge, namenlose Ich-Erzählerin hat erfahren, dass sie eventuell ernsthaft erkrankt ist und muss nun sechs Tage auf die Bestätigung der Diagnose oder eine Entwarnung warten. Diese Zeit will sie nutzen, um sich von all dem unnötigen Zeug zu trennen,
das in ihrem Keller lagert. Mit ausreichend Proviant ausgestattet, begibt sie sich an die Bestandsaufnahme ihres kurzen Lebens, schlägt sogar ihr Nachtlager zwischen Kartons, Schachteln und überquellenden Tragetaschen auf. Der Berg ihrer Besitztümer ist schier unüberschaubar: ein Fitnessgerät, Deko-Krempel, Erinnerungsstücke, Rest-Utensilien kurzlebiger Hobbys, ein überdimensionaler Plüschbär, den sie ihren Eltern abgetrotzt hatte und mit dem sie dann nie spielte. All diese, aus dem täglichen Sichtfeld verbannten Altlasten sind Zeugen ihres ungezügelten Konsumzwangs, dessen sie sich nun schmerzlich bewusst wird. Jeder gehortete Gegenstand, jedes Foto, jedes Überbleibsel eines Lebensabschnitts hat eine eigene Geschichte und beim Erinnern dieser Episoden reist die Ich-Erzählerin durch ihr Leben. Sie lässt familiäre, freundschaftliche und kollegiale Beziehungen und Ereignisse Revue passieren und versucht herauszufinden, was in ihrem Leben wirklich von Bedeutung ist. Die bevorstehende Diagnose zwingt sie dabei zu schonungsloser Ehrlichkeit. – Ein hervorragender Roman über eine innere und äußere Bestandsaufnahme, die nicht von Handlung, sondern von Reflexionen und erinnerten Anekdoten geprägt ist. Dabei gelingt es der Autorin, mit Humor und Selbstironie, die ernste Thematik aufzulockern, was der Story eine wohltuende Leichtigkeit verleiht. Und am Ende ist weder die Art der Diagnose noch das Ergebnis der Untersuchungen für die Lesenden von Bedeutung. „Junk“ ist ein sowohl inhaltlich wie stilistisch überzeugendes Beispiel junger, deutschsprachiger Literatur, allen Büchereien zu empfehlen.
Susanne Steufmehl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Junk
Ilona Hartmann
park x ullstein (2026)
192 Seiten
fest geb.