Hier ist der Beginn und das Ende ist dort
In diesem Roman des preisgekrönten Autors (u.a. Deutscher Kabarettpreis) über Angst, Verlust und Traurigkeit verliert Jonas drei Tage vor der Bundestagswahl 2029 (!) seinen Vater und ringt mit seiner Trauer. Ihr gemeinsames Leben war einerseits voller
Liebe und im Wechsel gefüllt mit Hass. Dies alles will und muss er seinem Sohn (5 Jahre) erklären. Mit Estelle (Essie), seiner Partnerin, verbindet ihn eine „fragile situationship“, die oft wortlos stattfindet. In der immer rauer und kälter werdenden Welt suchen beide Halt. Estelle arbeitet im Team einer Spitzenkandidatin für den Bundestag, Sandra Terzinger-Köhn, und kämpft um politischen Einfluss, gegen Kälte und Ignoranz der Gesellschaft, die selbst einen Terroranschlag mit sieben Toten nicht mitnimmt. Gleichzeitig muss sie professionell funktionieren, z.B. einen Auftritt bei Markus Lanz vorbereiten. Ihre politische Beratertätigkeit zermürbt sie zunehmend. Was bleibt deshalb am Ende? Beim Begräbnis kommt die Trauer doch heraus, alle weinen und nehmen sich in den Arm. Der kleine Sohn spricht es aus: „Ich bin auch traurig. Wenn jemand traurig ist, muss man ihn trösten.“
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Hier ist der Beginn und das Ende ist dort
Jean-Philippe Kindler
Gutkind (2026)
221 Seiten
fest geb.