Die Insel der Meeresfrauen
Auf der Insel Jeju-jo vor Südkorea tauchen bereits seit Jahrhunderten Frauen im offenen Meer, um für den Lebensunterhalt ihrer Familien Muscheln, Algen, Oktopusse und ähnliches zu fangen, die sogenannten Haenyeo. Aus diesem Beruf hat sich auf der
Insel eine einzigartige Gesellschaftsform entwickelt, in der die Frauen ihrem Beruf nachgehen, die Männer daheimbleiben, um die Kinder zu erziehen. Diese einzigartige Kultur wurde 2016 in die Liste des immanenten Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. In ihrem Roman beschreibt die Autorin das Leben in dieser Kultur und erzählt die Geschichte der Haenyeo, von den Jahren der japanischen Unterdrückung bis heute, am Beispiel der Meistertaucherin Young-sook und ihrer Freundin Mi-ja: Young-sook lebt als über 80-jährige auf der Insel, als ein junges Mädchen, Clara, aus den USA bei ihr auftaucht und mehr von ihrem Leben wissen will. Im Laufe des Romans erfährt man, dass Clara die Urenkelin Young-sooks ist. Diese Begegnung bringt Young-sook dazu, ihr tragisches Leben zu erzählen. – Mit viel intensiven Recherchen hat sich Autorin Lisa See mit dem Leben und der Geschichte der Haenyeo vertraut gemacht. Deshalb schafft sie es auch auf beeindruckende Weise, dem Leser diese uns so fremde Kultur nahe zu bringen. Mit der Geschichte der Hauptpersonen erzählt sie gleichzeitig die leidvolle Geschichte dieses einzigartigen Volkes auf der Insel Jeju-Jo. See erzählt fesselnd, detailreich, authentisch, so dass man das Buch ab den ersten Zeilen bis zum Ende der gut 520 Seiten nicht mehr aus der Hand legen mag. Allen Beständen zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Insel der Meeresfrauen
Lisa See ; aus dem amerikanischen Englisch von Elke Link
GUTKiND (2026)
526 Seiten
fest geb.