Die Bibliothekarin
Der dritte Roman des österreichischen Schriftstellers Peter Marius Huemer spielt offensichtlich in einer fernen Zukunft und kann mit Fug und Recht als Dystopie bezeichnet werden: In der Welt, die er beschreibt, gibt es kein menschliches Zusammenleben
mehr. Einzig den Kindern ist es erlaubt, gemeinsam mit anderen in einem Schlafsaal zu leben und an Unterrichtsstunden teilzunehmen. Haben sie das Alter von 16 Jahren erreicht, werden sie ihrer "Pflicht" zugeführt, für die sie aufgrund persönlicher Eigenschaften ausersehen sind. Dann werden sie mittels einer Schleuse in Abteilungen verfrachtet, in denen sie fortan völlig alleine sind. Die Ich-Erzählerin, die über eine schöne Handschrift verfügt, landet auf diese Weise in der Bibliothek. Ihre Pflicht besteht darin, Tag für Tag Bücher aus einer unendlich anmutenden Büchersammlung zu verzeichnen, sie aber nicht zu lesen. Dass diese Tätigkeit tatsächlich so sinnlos ist, wie sie den Leser*innen erscheint, wird spätestens dann klar, als die Bibliothekarin sie immer weiter vernachlässigt, aber selbst die befürchtete Bestrafung für diese Pflichtvergessenheit ausbleibt. - Huemers Roman lebt in erster Linie von der Atmosphäre hermetischer Räumlichkeiten und sinnloser Tätigkeiten und ist für alle Leser*innen geeignet, die eine Mischung aus Science-Fiction und Schreckensszenario, aber auch parabelhaftes Erzählen im Stil Kafkas schätzen.
Antonie Magen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Bibliothekarin
Peter Marius Huemer
Septime Verlag (2023)
210 Seiten
fest geb.