Böll kam nicht bis Troisdorf
„Böll kam nicht bis Troisdorf“, so heißt Andreas Fischers zweites nennenswertes Buch in Anlehnung an Carlo Levis Verbannungsroman „Christus kam nur bis Eboli“ (1945). In Fischers Erzählung geht es freilich nicht ums Exil, aber um eine Außenseitergeschichte.
Diese Story wird zum Lehrstück eines nicht ganz unbegabten Schriftstellers ohne Werk aufgemöbelt. Ein Teenager schreibt Kurzgeschichten und will, kaum volljährig, ausgerechnet Heinrich Böll mit seinen Texten behelligen. Der Nobelpreisträger als Mentor? Das kann man kaum glauben, und so muss sich das selbsternannte Jungtalent mit einer Verlags-Sendung von Bölls Werken begnügen, die er aber nicht liest, sondern später sogar entsorgt. Stattdessen treibt es ihn in die Fänge eines Dichters, der nach Troisdorf gezogen ist und dort einen Schreibkurs veranstaltet. Dieser Frieder Salzgraf ist eine Figur, in der Fiktion und Realitätspartikel verschmelzen: seine behauptete Nähe zur legendären „Gruppe 47“ der Nachkriegsszene, seine rigide Textkritik, übergriffige Kontakte und alkoholbedingte Abstürze. Der Erzähler trennt sich schließlich von seinem Mentor; er entscheidet sich beruflich, und hier bekommt die Erzählung autobiografische Züge, für den Dokumentarfilm. – Andreas Fischer erzählt in Episoden von den jungen Jahren bis zur Gegenwart, mit Sympathie für seine Figur und deren Nöte. Das Erzählen selbst wird etwas träge durch das Präsens, ins Epische schwingt nichts aus. Aber das ist vielleicht auch besser so für diese angenehm lesbare Coming-of-Age-Geschichte einer verhinderten Dichterkarriere. Wer weiß, wozu es gut war, dass Böll nicht nach Troisdorf kam.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Böll kam nicht bis Troisdorf
Andreas Fischer
eschen 4 verlag (2026)
157 Seiten : Illustrationen
fest geb.