Das falsche Buch
Die junge israelische Schriftstellerin Rona Glazer-Galanty ist verheiratet und hat einen 10 Monate alten Sohn zu betreuen. Schlafmangel, Schreibkrise und Beziehungsprobleme mit ihrem deutlich älteren Mann, ein Archäologie-Dozent ohne Festanstellung
an der Uni, machen ihr zu schaffen. Nach einem hochgelobten Erstling wartet die Literaturwelt auf ein weiteres bedeutendes Buch. Durch die Bekanntschaft mit einer anderen Mutter kommt sie mit dem Genre Romance in Berührung und verschlingt nachts, wenn ihr Sohn nicht schlafen kann, Liebesroman um Liebesroman. Als sie bei einem Schreibwettbewerb zu Romance den ersten Platz belegt, kann sie sich endlich durchringen, auch auf diesem Feld heimlich schriftstellerisch tätig zu werden. Das neue Buch, welches sie unter einem Pseudonym veröffentlicht, wird ein Erfolg und das Geheimnis um ihre Autorenschaft belastet sie sehr. Kann sie sich als gute, anspruchsvolle Schriftstellerin diesem Genre zuwenden? In weiten Strecken überzeugende Idee, sich mit Ironie und Humor mit dem neuen Trend und der Erfolgswelle der Romance-Literatur auseinanderzusetzen. Was steckt hinter dem enormen Leserinnenzuspruch für dieses Genre? Was macht es aus? Leichtigkeit, Banalitäten, Gehaltlosigkeit und Oberflächlichkeit mit Happy End als Alltagsflucht? Außerdem nimmt die Autorin die Leser:innen mit in das „Innenleben“ einer Schriftstellerin. Woher kommen die Ideen für eine Geschichte? Wie viel Wahrheit und Fiktion sind möglich? Wie anspruchsvoll muss ein Text sein? Was verkauft sich gut? Analysierende, diskutierende Beziehungsauseinandersetzungen der Protagonisten über anspruchsvolle Literatur, politische Debatten, Judentum, Ausgrabungen, und persönliche Lebensentwürfe machen das Lesen herausfordernd, aber auch gewinnbringend. Für anspruchsvolle Leser:innen.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das falsche Buch
Noa Yedlin ; aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Kein & Aber (2026)
541 Seiten
fest geb.