Abgeschrieben
Die kanadische Autorin Lynn Coady erzählt in ihrem neuen Roman die Geschichte von Gordon Rankin, Eishockeyspieler, groß, muskulös, fast ein Schlägertyp, den viele in ihm sehen wollen, im Grunde aber ein eher gutmütiger Junge, der von seiner Umwelt
in Verhaltensweisen getrieben wird, die ihm selbst zuwider sind. Eine entscheidende Rolle spielt dabei Gordons Vater. Verpackt wird Gordons Schicksal in eine lange Folge von Mails, die er, 20 Jahre nach ihrer letzten Begegnung, an seinen Studienfreund Adam schreibt, der, wie sich herausstellt, einen Roman mit Gordon als Hauptfigur, verfasst hat. Dessen Inhalte kommentiert und korrigiert Gordon, immer der Meinung Adam, habe ihm seine Geschichte, sein Leben gestohlen. Was auf den ersten Blick ziemlich kompliziert erscheint, erweist sich als fein gezeichnetes Porträt der Jugend und Gesellschaft des späten 20. Jh., in der Alkohol und Drogen, Sport und Musik, Mädchen und Geldverdienen entscheidende Rollen spielen. Mit Abstrichen lässt sich dieses Gesellschaftsbild auch auf Europa und Deutschland übertragen. Als wichtiges Beispiel kanadischer Gegenwartsliteratur allen Büchereien empfohlen. (Übers.: Clara Drechsler und Harald Hellmann)
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Abgeschrieben
Lynn Coady
Kein & Aber (2012)
398 S.
fest geb.