Ein iranischer Albtraum
2006 wird dem Autor, der jahrelang harmlose Cartoons für eine iranische Kinderzeitschrift zeichnete, eine Kakerlake zum Verhängnis. Dieser hatte er ein persisches Allerweltswort in den Mund gelegt, das im aserbeidschanischen Dialekt etwas anderes
bedeutet. Teile der im Land lebenden Minderheit der Aseri fühlten sich verunglimpft und politisch motivierte Unruhen folgten. Neyestani und sein Chefredakteur werden als vermeintliche Unruhestifter von der Geheimpolizei verhaftet. Rechtlos durchläuft er in politischen Staatsgefängnissen die entwürdigenden Etappen zwischen unbestimmter Haftdauer, Verhören, Anschuldigungen und Angeboten sich als Verräter die Freiheit zu erkaufen. Nach der Flucht aus dem Iran während eines Hafturlaubes hat das Leiden kein Ende. Denn das Bemühen um politisches Asyl in Europa scheitert ebenso wie die von einem malaysischen Menschenschmuggler organisierte Ausreise über China. - Die die politisch repressive und totalitäre Theokratie im Iran wie auch die europäische Asylpraxis gleichermaßen anklagende, erschütternde Autobiografie wird von karikaturartigen Schwarz-Weiß-Bildern mit zwei auffälligen Elementen begleitet: Die Verfolgung Neyestanis durch die sein Lebensschicksal bestimmende Kakerlake sowie der Freiheit bzw. Unfreiheit symbolisierende Umgang des Autors mit den Panelgrenzen. Für alle Bibliotheken, die auf niveauvolle Graphic Novels setzen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein iranischer Albtraum
Mana Neyestani
Ed. Moderne (2013)
200 S. : überw. Ill.
kt.