Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B

Die wiederholte Beschäftigung des Comiczeichners Jacques Tardi mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg liegt in seiner Biografie begründet. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater wurden durch ihre Kriegserfahrungen traumatisiert. Mit dem vorliegenden Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B ersten Teil setzt Tardi das nachträglich entstandene Tagebuch seines Vaters um, das dessen schwerwiegende Erlebnisse in deutschen und polnischen Stalags behandelt. 1939 meldete sich René Tardi freiwillig zum Armeedienst, doch schon 1940, zwei Wochen nach Kriegseinsatz als Panzerfahrer, wird er gefangen genommen. Sein beschwerlicher Alltag zwischen stetem Hunger, den Misshandlungen und Repressalien der deutschen Wächter, den noch schlechteren Zuständen anderer festgesetzter Nationen, unbeschwerten Tanzveranstaltungen oder dem anhaltenden Tauziehen um persönliche Freiheiten wie eine versteckte Destillerie wird detailliert ausgearbeitet. Als imaginäres Kind tritt Zeichner Tardi dabei in einen Dialog mit dem toten Vater. Die stilisierte Schwarzweiß-Grafik in stets drei Panels pro Seite, wobei nur die Fahnen koloriert wurden, unterstreicht Absurdität, Unmenschlichkeit und Fatalität des Kriegs, wo Menschleben nichts mehr zählen. Allerdings fehlen dem Band völlig dramaturgische Höhepunkte, was angesichts des Sujets und Ansatzes erwartbar war. Eines der beiden Vorworte verfasste Jacques Tardis Frau Dominique Grangé, deren Vater René Tardi in Gefangenschaft begegnete. Für größere Bestände empfehlenswert.

Gregor Ries

Gregor Ries

rezensiert für den Borromäusverein.

Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B

Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B

Tardi
Edition Moderne (2013)

188 S. : überw. Ill. (z. T. farb.)
fest geb.

MedienNr.: 576419
ISBN 978-3-03-731112-7
9783037311127
ca. 35,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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