Elender Krieg
Vom ersten Schuss bis zum Kriegsende begleitet man einen jungen französischen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg an verschiedenen Fronten in Frankreich eingesetzt wird. Er erzählt von den grausamen Kämpfen Mann gegen Mann, von Giftgasangriffen, von
Tötungen Kriegsgefangener, von Krankheiten und schwersten Verletzungen. Diese traumatischen Erlebnisse eines Einzelnen lassen sich hochrechnen auf alle freiwilligen und unfreiwilligen Protagonisten dieser Kriegsmaschinerie, die sich schon bald zu verselbständigen schien. Dass es keine Gewinner geben wird, steht schnell fest. Tardi setzt die Kriegshandlungen in all ihrer Brutalität ins Bild. Durch den Blickwinkel des "kleinen" Soldaten, der dem Terror ungeschützt ausgesetzt ist, erscheint die Schicksalsmacht der Befehlsgeber umso größer und unverständlicher. Die Bilder sind in ihrer rohen und beinahe filmischen Präsenz kaum zu ertragen; der Erzähltext, anfangs noch von lakonischer Unbeteiligtheit, wird zunehmend sarkastischer und zynischer. Hervorzuheben ist der dokumentarische Teil am Ende dieses großen Bandes, der eine Chronologie dieser europäischen Katastrophe liefert und mit interessantem Dokumentationsmaterial angereichert ist. Dieses Kapitel lässt sich als fundiertes historisches Lehrwerk lesen.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Elender Krieg
Tardi - Verney
Edition Moderne (2013)
135 S. : überw. Ill. (überw. farb.)
fest geb.