Golem im Emmental
Die Bäuerin Hanni Wüthrich führt nach dem Tod ihres Mannes ein selbstbestimmtes Leben und bestellt ihren Hof. Vielen der Dorfbewohner ist ihre Emanzipation ein Dorn im Auge; das Misstrauen verstärkt sich, als ein mysteriöser Jude auf dem Hof auftaucht.
Sein Gehilfe scheint über Zauberkräfte zu verfügen, was den Argwohn des Dorfes nährt, bis die Situation eskaliert. Die berühmte Golem-Geschichte in einen Schweizer Bergbauernhof zu verlegen, funktioniert in dieser Graphic Novel ausgezeichnet. Die zeitlose Figur der jüdischen Mystik zeigt Merkmale, die auch in der Alpenlandschaft Wirkung entfalten können, sogar, wenn dies mit Filmzitaten des klassischen Westerns bereichert wird. Die Bildästhetik lehnt sich an moderne Holzschnitte (etwa von Frans Masereel) an, was der Kargheit des Settings beste Geltung verleiht und zudem für spannungsreiche Dramatik sorgt. An Zitaten kommt bei dieser Arbeit also viel zusammen. Sich dem Entschlüsseln und Aufspüren der literarischen und künstlerischen Motive hinzugeben, fällt in diesem unterhaltsamen Comic sehr leicht.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Golem im Emmental
Benedikt Eppenberger ...
Ed. Moderne (2016)
304 S. : überw. Ill. (farb.)
kt.