Ferngespräch
Der Alltag in einem Pflegeheim durch die Augen eines Kindes. Schön ist es dort nicht, die Hilflosigkeit und Einsamkeit der Bewohner erlebt das Kind oft nur in Bildern und verliert sich dabei in Tagträumen. Das Medium der Zeichnungen - hier Aquarelle
- lässt einen besonderen Zugang zu, den Träumen der Bewohner und des Kindes nachzuempfinden. Die Sehnsucht der Mutter nach der philippinischen Heimat - wo die Großmutter im Sterben liegt - spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die tägliche Arbeit im Heim. Die Autorin will mit der Geschichte auf die Probleme der philippinischen Gastarbeiterinnen aufmerksam machen, die in ihrer Heimat nur dazu ausgebildet werden, um in reichen Ländern zu arbeiten und ihre Familien zu unterstützen. Pflegenotstand hier und Arbeitslosigkeit dort scheinen auf den ersten Blick zu diesem Vorgehen geradezu einzuladen. Doch die menschliche Seite geht dabei verloren, darauf macht der Comic in besonderer Weise aufmerksam - nicht unterhaltsam, aber anrührend und zunächst einfach erscheinenden Lösungen hinterfragend. Man sollte das Nachwort mit den Erklärungen eventuell als Vorwort lesen, um alle Anspielungen zu verstehen. Wichtiger Beitrag zu aktuellen sozialen und ökonomischen Problemen, wegen des Preises und des vermutlich eher begrenzten Interessentenkreises für größere Bestände.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Ferngespräch
Sheree Domingo
Ed. Moderne (2019)
95 S. : überw. Ill. (farb.)
kt.