Wir gehören dem Land
Joe Sacco ist ein amerikanischer Reporter, der seine Reportagen zeichnerisch in Szene setzt. Nach Berichten aus Palästina und Bosnien-Herzegowina war er nun vier Jahre lang in den kanadischen Nordwestterritorien unterwegs. In der dortigen Taiga führten
die Völker der Dene bis vor wenigen Jahrzehnten unter klimatisch harten Bedingungen ihr traditionelles, von Jagd und Fischfang geprägtes Wanderleben. Doch der Einbruch der Moderne findet auf vielfältige Weise statt, vor allem durch die Exploration und Ausbeutung der Bodenschätze ohne Rücksichtnahme auf die Natur. Der kanadische Staat übervorteilt die Völker durch Verträge, in denen die Gruppen ihre Landrechte billig abtreten und zwingt die Kinder oft zum Schulbesuch, der sie ihren Familien entfremdet. Die Haltung der verschiedenen Volksgruppen zu diesen Entwicklungen ist durchaus unterschiedlich und spaltet alte Gemeinschaften. In seinen bebilderten Reportagen lässt Sacco viele Betroffene zu Wort kommen und stellt so die verschiedenen Sichtweisen, ohne selbst zu werten, nebeneinander. Im Ergebnis ist ein differenziertes Bild der indigenen Bevölkerung im Nordwesten Kanadas entstanden, die ihren Platz zwischen Assimilation und Verteidigung ihrer althergebrachten Lebensweise sucht. - Angesichts der doch eher speziellen Thematik nur für große Bestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir gehören dem Land
Joe Sacco ; Übersetzung aus dem Englischen: Christoph Schuler
Edition Moderne (2020)
260 Seiten
kt.