Hort
Petra, Ulla und Denise sind Freundinnen und leben zusammen in einer Wohngemeinschaft. Es sind außergewöhnliche Gestalten: Petra versucht, als Bodybuilderin ihren Körper zu optimieren, Ulla ist eine Riesin und Denise hat sich in eine Schlangenfrau
verwandelt. Als die drei bemerken, dass Kinder aus ihrer Nachbarschaft vernachlässigt werden, nehmen sie sich der Geschwister an. Innerhalb von alltäglicher Normalität Figuren von monströser Gestalt zu entwickeln und zu verlebendigen, ist das Thema dieser breit angelegten Graphic Novel. Es werden Frauenfiguren entworfen, die für die Leser/-innen als "abnorm" gelten, die aber innerhalb ihrer Stadtgesellschaft (die in der nahen Zukunft zu verorten ist) nicht negativ auffallen. Was den Frauen dagegen auffällt, ist das abnormale Verhalten der Mutter, die ihre Kinder monatelang allein lässt. Wie die Frauen sich durch die Fürsorge für ihre Zöglinge langsam auf eine "Mutterrolle" zubewegen, ist berührend zu lesen. Dabei bedient sich die Autorin zeichnerischer Stilmittel, die aus der Tattoo- oder der underground-Szene stammen, und auch die Lilatöne der Zeichnungen bekräftigen den feministischen Touch. Sie habe, so die Autorin, einen "queeren" Comic zeichnen wollen. Wenn "queer" bedeutet, dass das Abnorme gesellschaftlich anerkannt ist, so ist ihr das gelungen. Fluide Körper- und Geschlechterrollen zu entwerfen und mit ihnen eine Alltagsgeschichte zu erzählen, die von humanen Werten geprägt ist, findet hier eine überzeugende Form.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Hort
Marijpol
Edition Moderne (2022)
[unpaginiert] : farbig
kt.